Nordisland

Arctic Henge: der Steinkreis über Raufarhöfn im Nordosten Islands

Das Arctic Henge, auf Isländisch Heimskautsgerðið, steht auf dem Hügel Melrakkaás direkt über dem Dorf Raufarhöfn. Der Besuch kostet nichts, der Steinkreis ist jederzeit zugänglich, und von Húsavík fahren Sie rund zwei Stunden.

Arctic Henge: der Steinkreis über Raufarhöfn im Nordosten Islands

Ganz oben im Nordosten Islands, knapp unterhalb des Polarkreises, steht auf einem windigen Hügel über dem Nordatlantik das Arctic Henge. Der moderne Steinkreis aus dunklem Gestein der Umgebung greift die nordische Mythologie auf und ist nach dem Licht des hohen Nordens ausgerichtet. Hinter ihm steckt auch die Hoffnung eines kleinen Dorfs, wieder mehr Besucher in den Nordosten zu holen.

Wenn Sie mit dem Camper durch Nordisland fahren, ist der Steinkreis ein stiller Stopp abseits der üblichen Wege. Im Sommer zieht die Mitternachtssonne tief über den Horizont, im Winter stehen Sie mit etwas Glück unter Polarlichtern zwischen den Steinen.

Wie das Arctic Henge entstand

Die Geschichte beginnt in den Neunzigerjahren in Raufarhöfn, einem kleinen Fischerdorf und einem der nördlichsten Orte Islands. Als sich die Fischbestände veränderten und Arbeitsplätze verloren gingen, suchte das Dorf nach einem Weg, Besucher anzulocken und den Ort am Leben zu halten.

Die Idee hatte Erlingur Thoroddsen aus Raufarhöfn. Angeregt von Stonehenge in England und den alten isländischen Überlieferungen, stellte er sich einen modernen Steinkreis in der Arktis vor, gebaut aus heimischem Stein und geprägt von den nordischen Mythen. Ab 1996 plante er das Projekt gemeinsam mit dem Künstler Haukur Halldórsson, im Jahr 2004 begannen die Bauarbeiten. Verbaut wird schwarzes Gestein aus der unmittelbaren Umgebung, damit der Steinkreis wirkt, als sei er aus der Landschaft gewachsen.

Das wichtigste Vorbild ist die Völuspá, die Weissagung der Seherin aus der Lieder-Edda. Das Gedicht erzählt von der Erschaffung der Welt, von Odin und den Zwergen, vom Weltuntergang Ragnarök und vom Neubeginn danach. Erlingur wollte mit dem Arctic Henge zweierlei erreichen: Reisende in den hohen Norden und damit nach Raufarhöfn holen und den alten nordischen Glauben, Ásatrú, im heutigen Island sichtbar halten.

Weil immer wieder das Geld fehlte, ist der Steinkreis bis heute nicht fertig. Besucher kommen trotzdem, und für diesen abgelegenen Winkel Islands ist er zu einem Zeichen für Durchhaltevermögen und Fantasie geworden.

Aufbau und Symbolik des Steinkreises

Im Arctic Henge verbinden sich Kunst, Astronomie und Mythologie. Der Kreis liegt auf einer flachen Anhöhe über Raufarhöfn, mit weitem Blick über das Meer und das Land. Ausgerichtet ist er nach dem Lauf der Sonne und nach den Geschichten von Göttern und Zwergen.

Die wichtigsten Elemente

  • Vier Tore: Vier etwa 6 Meter hohe Steintore bilden im Inneren ein Kreuz und zeigen nach Norden, Süden, Osten und Westen. Sie markieren die Himmelsrichtungen und rahmen den Lauf der Sonne zu verschiedenen Zeiten im Jahr. Das Nordtor öffnet sich zum Nordpolarmeer, und im Sommer scheint die Mitternachtssonne genau hindurch.
  • Die Mittelsäule: In der Mitte steht eine etwa 10 Meter hohe Steinsäule. Geplant ist eine Spitze aus Glas, die das Sonnenlicht in seine Farben zerlegt, als Anspielung auf Bifröst, die Regenbogenbrücke zwischen der Welt der Menschen und der Welt der Götter.
  • 72 Zwergensteine: Den äußeren Kreis bilden 72 kleinere aufrechte Steine, jeder einem Zwerg aus der Völuspá gewidmet. In den Mythen schmieden Zwerge wie Brokkr und Eitri mächtige Gegenstände, etwa Thors Hammer. Die Steine stehen so, dass ihre Schatten zu bestimmten Zeiten auf die Tore und die Mitte fallen, wie bei einer riesigen Sonnenuhr.
  • Was noch kommen soll: Zum vollständigen Entwurf gehören ein Sonnenstuhl zum Beobachten des Lichts, ein Ort für Feuer und Wasser, ein Sternweiser, der auf den Polarstern ausgerichtet ist, und ein Echopunkt mit besonderer Akustik. Einige dieser Teile sind noch im Bau. Zusammen sollen sie den Kreislauf aus Schöpfung, Wandel und Erneuerung schließen.

Der dunkle Basalt passt zu den Lavafeldern und Klippen des Nordostens, und mit den Jahreszeiten verändert das Licht den ganzen Ort. In hellen Sommernächten zieht die Sonne tief um den Horizont, gleitet zwischen den Toren hindurch und wirft lange, wandernde Schatten. Im Winter sorgen die tief stehende Sonne und die lange Dämmerung für starke Kontraste, und in klaren Nächten leuchten hinter den Steinen manchmal Polarlichter.

Das Arctic Henge bei Raufarhöfn an einem bewölkten Tag, Tore aus geschichteten Basaltblöcken in karger Landschaft

Anfahrt zum Arctic Henge

Der Steinkreis steht auf dem Hügel Melrakkaás direkt über Raufarhöfn. Sie fahren vom Dorf aus mit dem Camper hinauf oder gehen zu Fuß. Gerade die Abgeschiedenheit macht den Reiz aus: Hier oben finden Sie eine Weite und Stille, die es an den bekannten Sehenswürdigkeiten kaum noch gibt.

Mit dem Camper hinfahren

  • Von Húsavík: Bis Raufarhöfn sind es etwa 130 bis 150 km, rund zwei Stunden Fahrt. Sie folgen der Route 85 und dann der Küstenstraße 870 rund um die Halbinsel Melrakkaslétta.
  • Als Runde mit Ásbyrgi: Viele verbinden das Arctic Henge mit der Schlucht Ásbyrgi und der Küste von Tjörnes zu einer Rundfahrt.
  • Im Sommer: Die Straßen sind asphaltiert, ein 2WD-Camper reicht völlig.
  • Im Winter: Dann müssen Sie mit Schnee und Eis rechnen. Fahren Sie einen unserer beheizten Camper, den Campervan 2 Persons Premium oder den Fiat Scudo 3 Family Campervan, die wie alle unsere Camper dann mit Spikereifen fahren. Planen Sie kurze Fahrtage, und prüfen Sie jeden Morgen den Straßenzustand auf umferdin.is. Unsere 4x4-Camper mit Dachzelt sind nur für den Sommer gedacht. Wie eine Winterreise gelingt, lesen Sie in unserem Ratgeber Island im Winter mit dem Camper.
  • Tanken: Im Nordosten gibt es nur wenige Tankstellen. Tanken Sie in Húsavík voll, bevor Sie losfahren. Wo Sie unterwegs Sprit bekommen und wie Sie an der Säule bezahlen, zeigt unser Ratgeber Tankstellen in Island.

Übernachten in Raufarhöfn

Raufarhöfn hat einen kleinen Campingplatz, von dem aus Sie schnell am Steinkreis sind. Ob er für Ihre Reisedaten geöffnet hat, sehen Sie in unserer Übersicht der Campingplätze in Island. Im Camper übernachten Sie nur auf Campingplätzen, auch hier oben, nicht auf dem Parkplatz am Hügel.

Illustrierte Island-Karte im Wikingerstil auf altem Pergament, mit Langschiff, Seeungeheuern und Kompassrose

Was Sie am Arctic Henge erleben

Eintritt und Öffnungszeiten gibt es nicht. Der Steinkreis ist ein offener Ort, an dem Sie sich frei bewegen, nachdenken und fotografieren können. Die meisten Besucher bleiben eine halbe bis eine Stunde, Fotografen und alle, die sich für die Mythologie begeistern, oft länger.

  • Durch die Tore gehen: Treten Sie durch jedes der vier Tore und achten Sie darauf, wie sie den Horizont, das Meer und das Dorf unter Ihnen einrahmen. An langen Sommerabenden sehen Sie, wie die Sonne von Tor zu Tor wandert.
  • Die Zwergensteine abgehen: Umrunden Sie den Ring der kleinen Steine. Ein guter Ort, um sich hinzusetzen, etwas aufzuschreiben oder einfach die Stille zu genießen.
  • Fotografieren: Die klaren Linien und der offene Himmel machen das Arctic Henge bei Sonnenaufgang, bei Sonnenuntergang und unter Polarlichtern zum dankbaren Motiv. Mit einer Drohne halten Sie respektvoll Abstand zu anderen Besuchern und passen bei starkem Wind gut auf.
  • Die Umgebung erkunden: Verbinden Sie den Besuch mit einem Spaziergang zum Leuchtturm, einer kurzen Fahrt an der Küste oder einem Abstecher zum Hafen von Raufarhöfn, wo Sie sehen, wie das Leben in einem kleinen Ort im hohen Norden läuft.

Die beste Reisezeit für das Arctic Henge

Sie können das Arctic Henge das ganze Jahr besuchen, doch jede Jahreszeit bringt anderes Licht und andere Bedingungen mit. Entscheidend ist, was Ihnen wichtiger ist: entspanntes Fahren, Mitternachtssonne oder Polarlichter.

  • Sommer (Juni bis August): Das Fahren ist am einfachsten, die Tage sind am längsten. Um den 21. Juni geht die Sonne kaum unter. Sie haben weiches Licht bis spät in die Nacht, Polarlichter sehen Sie dann aber nicht, weil es nie richtig dunkel wird.
  • Herbst (September und Oktober): Es wird kühler und ruhiger, und nach Einbruch der Dunkelheit haben Sie die ersten Chancen auf Polarlichter. Die Hänge färben sich, und die Sonnenuntergänge können spektakulär sein.
  • Winter (November bis März): Kurze Tage und Kälte, oft unter dem Gefrierpunkt, dafür bei klarem Himmel beste Chancen auf Polarlichter. Straßen können vereist oder bei Sturm gesperrt sein, prüfen Sie also immer die Vorhersage und fahren Sie vorsichtig.
  • Frühling (April und Mai): Die Tage werden länger, der Schnee schmilzt, und die Vögel kehren zurück. Das Fahren wird wieder leichter, rund um den Steinkreis kann der Boden aber nass und matschig sein.

Wie Sie die Polarlichtvorhersage lesen und wo Sie in Ruhe schauen können, erklärt unser Ratgeber Polarlichter in Island. Schlafen gehen Sie danach auf dem Campingplatz, nicht auf einem Parkplatz.

Praktische Tipps für Ihren Besuch

  • Kosten und Zeit: Der Eintritt ist frei. Rechnen Sie mit 30 bis 60 Minuten vor Ort.
  • Kleidung: Packen Sie eine winddichte Jacke, feste Schuhe und Handschuhe ein. Der Hügel liegt offen, und der Wind kann kräftig blasen.
  • Toiletten und Läden: Am Steinkreis selbst gibt es weder Toiletten noch einen Laden. Nutzen Sie die Möglichkeiten in Raufarhöfn, bevor Sie hinauffahren.
  • Barrierefreiheit: Der Boden ist uneben und oft matschig oder verschneit. Mit Rollstuhl oder Kinderwagen wird es schwierig.
  • Respekt: Klettern Sie nicht auf die Steine, nehmen Sie Ihren Müll wieder mit und bleiben Sie leise, damit auch andere die Stimmung genießen können.
  • Wetter und Straßen: Wind und Wetter prüfen Sie auf vedur.is, den Straßenzustand auf umferdin.is oder road.is.

Warum sich der Abstecher lohnt

Island ist bekannt für Gletscher, Wasserfälle und Vulkane. Das Arctic Henge zeigt eine andere Seite der Insel: Menschen haben es gebaut, und doch wirkt es, als gehöre es seit jeher zu dieser Landschaft und ihren alten Geschichten.

Abseits der viel befahrenen Routen finden Sie hier oben über dem Meer einen Moment Ruhe. Wenn Sie ohnehin mit dem Camper durch Nordisland fahren, lohnt sich der Umweg nach Raufarhöfn: Einen Ort wie diesen finden Sie sonst nirgends auf der Insel. Stellen Sie den Camper ab, gehen Sie den Hügel hinauf und treten Sie durch die Steintore.

Wie Sie den Nordosten in eine Rundreise einbauen, zeigt unsere Island-Rundreise mit kostenlosem Reiseplaner. Für den langen Weg in den Nordosten finden Sie den passenden Camper samt Tagespreis unter Wohnmobil mieten in Island.

Häufige Fragen zum Arctic Henge

Wo liegt das Arctic Henge?

Auf dem Hügel Melrakkaás direkt über dem Dorf Raufarhöfn im Nordosten Islands. Sie fahren vom Dorf aus hinauf oder gehen zu Fuß. Von Húsavík sind es etwa 130 bis 150 km, rund zwei Stunden Fahrt.

Kostet das Arctic Henge Eintritt?

Nein. Es gibt weder Eintritt noch Öffnungszeiten, Sie können den Steinkreis zu jeder Tages- und Jahreszeit besuchen.

Wie viel Zeit sollte ich für das Arctic Henge einplanen?

Die meisten bleiben etwa eine Stunde, gehen durch die Tore und fotografieren. Wer zum Sonnenuntergang kommt oder auf Polarlichter wartet, braucht mehr Zeit.

Kann ich das Arctic Henge im Winter besuchen?

Ja, aber mit mehr Vorbereitung. Prüfen Sie jeden Morgen Straßen und Wetter, fahren Sie einen beheizten Camper wie den Campervan 2 Persons Premium oder den Fiat Scudo 3 Family Campervan, beide im Winter mit Spikereifen, und rechnen Sie mit Schnee, Eis und starkem Wind. Dafür sehen Sie den Steinkreis mit etwas Glück unter Sternen und Polarlichtern.

Ist das Arctic Henge so etwas wie Stonehenge?

Die Idee eines Steinkreises, der nach dem Himmel ausgerichtet ist, stammt von dort. Ansonsten ist das Arctic Henge ein modernes isländisches Projekt: gebaut aus heimischem Vulkangestein, geprägt von der nordischen Mythologie und ganz auf das arktische Licht ausgerichtet.

Wo übernachte ich in der Nähe des Arctic Henge?

Auf dem kleinen Campingplatz von Raufarhöfn. Ob er für Ihre Reisedaten geöffnet hat, zeigt unsere Campingplatz-Übersicht. Sie können den Steinkreis auch als Tagesausflug von einem Campingplatz weiter südlich an der Küste besuchen.